Bezirk Düsseldorf

    Aktionswoche "Gute Löhne - Gute Rente" Düsseldorf 19.06.2017

    Aktionswoche "Gute Löhne - Gute Rente" Düsseldorf 19.06.2017

    Hintergrundinformationen zum Pressegespräch am 19.Juni 2017

    Aktuelle Erhebung: Fast jeder Zweite in der Region Düsseldorf verdient weniger als 2.500 Euro und ist von Altersarmut bedroht!

    Peifer: „Politik muss handeln und Altersarmut stoppen!“

    ver.di Düsseldorf startet Aktionswoche „Gute Löhne – gute Rente“ in der Rheinbahnstraßenbahn

    40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region Düsseldorf* beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 2.500 Euro. Bundesweit sind es mit 44 Prozent nur wenig mehr. Das geht aus einer Datenauswertung des Eduard Pestel Instituts für Systemforschung im Auftrag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hervor. Rechnet man zu den Gesamtzahlen auch noch die 190.000 Minijobber hinzu, verdienen in der Region Düsseldorf rund 46 Prozent aller Beschäftigten weniger als 2.500 Euro brutto. „Vor allem der wachsende Niedriglohnsektor hat eine negative Wirkung auf das Lohnniveau und folglich auf die Rentenerwartung“, sagte Stephanie Peifer, Geschäftsführerin im ver.di Bezirk Düsseldorf.

    Bei einem bereits heute politisch festgelegten Rentenniveau von nur noch 43 %, das ab 2030 droht, würden weite Teile der Verdienstgruppe unterhalb von 2.500 Euro bei der Rente auf oder nah an das Grundsicherungsniveau kommen – und das trotz langjähriger Beitragszahlungen. „Diese Rentenerwartungen sind armutsgefährdend für weite Teile der Bevölkerung, auch der Mittelschichten. Diejenigen, die nur auf 40 oder gar 30 Beitragsjahre kommen, und das sind wegen der Erziehungszeiten vor allem Frauen, rutschen definitiv auf Hartz-IV-Niveau“, warnt Stephanie Peifer.

    In der Region Düsseldorf bedeutet das für Rentnerinnen und Rentner im Jahr 2030 nach beispielsweise 40 Beitragsjahren, dass 337Tsd. Menschen (oder 21,9% der Rentenbezieher) mit unter 600€ Rente rechnen müssen. Auf 39 % steigt die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die unter 800€ beziehen werden und 18,1 % kommen dann aus der Gruppe 800€ bis 1000€ hinzu. Nur eine Minderheit von 17,8 % der Rentnerinnen und Rentner kann 2030 nach heutigem Wert mit einer Rente von 1.500€ und mehr rechnen.

    Aus den bundesweit ermittelten Zahlen geht hervor, dass 62 Prozent der Frauen im Westen und 68 Prozent der Frauen im Osten weniger als 27.500 Euro im Jahr verdienen und damit, auch wenn sie 45 Jahre lang einzahlen, nah an oder unter die Grundsicherungsgrenze rutschen würden. „Da droht auch in der Region Düsseldorf tausendfache Altersarmut, wenn es keinen Kurswechsel in der Rentenpolitik gibt“, so der Vorwurf der Gewerkschafterin. Dass eine andere Politik möglich sei, zeige ein Blick über die Grenze: Österreich habe in den 2000er Jahren die Teilprivatisierung der Rente nicht mitgemacht. „Statt die Bevölkerung zum Riestern aufzufordern, hat die österreichische Politik die gesetzliche Rente ausgebaut“, sagte Stephanie Peifer. Das Ergebnis: Die gesetzliche Rente ist dort im Durchschnitt über 500 Euro höher als in Deutschland. „Eine andere Rentenpolitik ist möglich. Auch bei uns. Es braucht aber den politischen Willen dazu“, so Stephanie Peifer.

    Während SPD, GRÜNE und Linke Änderungen des Rentenkurses vorsähen, gehe die Union mit einem „Weiter so!“ in die neue Legislaturperiode. „Die Union nimmt damit billigend in Kauf, dass das Rentenniveau auf 43 Prozent sinkt, bei folgendem freiem Fall nach 2030. Das ist verantwortungslos! Mit einem „Weiter so!“ in der Rentenpolitik droht eine Delegitimierung des gesetzlichen Rentensystems. Deshalb brauchen wir einen Kurswechsel“, heißt der Schluss den Stephanie Peifer nicht zuletzt nach den jetzt vorliegenden Zahlen zieht.

    Dringend nötig sei in einem ersten Schritt die Stabilisierung der Rente auf dem jetzigen Niveau von 48 Prozent. Dem muss zeitnah eine schrittweise Anhebung auf etwa 50 Prozent folgen. Dazu ist eine Anhebung der Beiträge unumgänglich und insbesondere ist die volle Parität bei den Anteilen der Arbeitgeber wiederherzu-stellen. Und wer nicht wolle, dass das Rentensystem zerbreche, müsse zudem den Bundeszuschuss in die Rentenkasse erhöhen und die Tarifbindung in Deutschland stärken. „Langfristig führen nur auskömmliche Löhne zu auskömmlichen Renten. Deshalb muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass die Tarifflucht der letzten Jahre aufhört. Sie darf sich für Unternehmen nicht mehr rechnen“, forderte Stephanie Peifer. In diesem Zusammenhang wies Peifer auf die Tarifrunde im Einzelhandel hin. „In der aktuellen Tarifrunde fordern wir 1€ mehr pro Stunde und die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge, um Tarifflucht, wie real 2015 zu verhindern. Mit der Allgemeinverbindlichkeit sind alle Arbeitgeber an den Tarifvertrag Einzelhandel NRW gebunden, d.h. auch Unternehmen, welche derzeit nur zum Mindestlohn einstellen haben sich dann nach dem Tarifvertrag richten.“ Am Dienstag , den 20.06. findet die 3 Verhandlungsrunde statt Hier erwartet ver.di eine deutlichere Bewegung der Arbeitgeber als in den vorherigen Verhandlungsrunden, insbesondere in der Frage Entgelt und Allgemeinverbindlichkeit.

    Gabriele Schmidt, ver.di Landesleiterin in NRW, informierte über die bundesweite Bedeutung der Aktionswoche und betonte, dass wir einen langen Atem haben und brauchen um den Sinkflug der Rente aufzuhalten. „Das schaffen wir gemeinsam, wie auch beim Mindestlohn!“

    Klaus Klar, Vorstand und Arbeitsdirektor der Rheinbahn AG, hob hervor, dass die Rente das Zukunftsthema ist. „Sorgt für soziale Gerechtigkeit und sichert die Lebenssituation der Menschen auch im Alter“ mahnte Klaus Klar und sprach damit aus den Herzen der Anwesenden. Margarete Wischerski, selbst Rentnerin und aktiv im ver.di Frauenrat und der Umwelt- und Bildungspolitik im DGB machte deutlich wie wichtig lebenslange Bildung und Qualifizierung ist. „Vertraut nicht darauf, dass ihr im Alter durch Ehe abgesichert seid. Selbst ist die Frau!“

    Thomas Ziegler, DGB Regionssekretär, unterstrich die politische Bedeutung der Rente, die zum Leben reichen muss. „Mit allen DGB Gewerkschaften führen wir die Renten - Kompanie gemeinsam seit Oktober letzen Jahres. Jede Partei kommt in Sachen Rente auf den Prüfstand.“

    Im Anschluss an das Pressegespräch drehte die Rheinbahnstraßenbahn viele Runden durch das Bahnhofsviertel und verteilte an die Passantinnen und Passanten Informationsmaterial. Eine gelungene Aktion, die viel Aufmerksamkeit erzeugte.

    Im ver.di Bezirk Düsseldorf finden in dieser Woche zahlreiche Aktionen und Unterschriftensammlungen mit der Forderung, den Sinkflug der Rente zu stoppen, statt. Am Dienstag, den 20. Juni zwischen 16:00 und 19:00 Uhr an der Heinrich-Heine-Alle 1, macht die ver.di Jugend zudem mit einer öffentlichen Aktion unter dem Motto „Die Rente schmilzt“ auf den Sinkflug der Rente aufmerksam. Zum Dialog beim Eis laden wir herzlich ein.

    Zeitgleich findet eine Unterschriftenkampagne statt. Die Übergabe der Unterschriften an Bundestagskandidat*innen findet am Freitag, den 23.Juni um 11:00 Uhr im ver.di Bezirk Düsseldorf, Sonnenstr. 14 statt. Hierzu folgt eine gesonderte Presseinladung.

     
    Bericht von center.tv: